Apple iPad: Schwächen und offene Wünsche

Apple iPad

Apple Tablet iPad (Quelle www.apple.com)

Vor kurzem haben wir Euch über die ersten Fakten zu Apples neuem iPad (Tablet Computer) informiert. Nach einigen Tagen und genauerem Nachdenken über die Einsatzmöglichkeiten bleiben so einige Fragen und Wünsche offen. Während viele denken, dass sich Apple beim iPad zu wenig Gedanken gemacht hat, gehe ich davon aus, dass viele Einschränkungen bewusst gemacht wurden. Ob dies nur Kostengründe, bewusste Abschottungen nach außen oder wirklich Versäumnisse sind, vermag ich nicht zu sagen. Bei vielen Leuten waren die Erwartungen auch einfach zu hoch. Hier ist Apple allerdings selbst nicht ganz unbeteiligt. Wer die Präsentation gesehen hat, weiß, dass einfachste Funktionen wie Internetsurfen, Bilder oder Videos anschauen dort wie eine revolutionäre Neuheit zelebriert wurden. Das iPad ist sicher für einige ein interessantes Gerät und ich denke auch, dass es eine ausreichende Zielgruppe für das Gerät gibt. Wer sich für das Apple iPad interessiert, sollte aber folgende Dinge beachten.

  • Preise: Auch wenn der Vorverkauf wegen einiger Unklarheiten vorerst gestoppt wurde, haben die ersten Angebote gezeigt, dass die Preise wohl 1:1 von US-Dollar in Euro übernommen werden. Sprich, das Einstiegsmodell kostet in den USA 499 US-Dollar und bei uns dann 499 Euro. Nach dem aktuellen Umrechnungskurs wären es eigentlich knapp unter 360 Euro. Dass es in Europa etwas teurer wird, gut, aber gleich über 140 €? Apple wirbt auf der Webseite beim iPad mit „…zu einem unglaublichen Preis.“. Das kann man nicht bestreiten, aber Apple versteht darunter wohl was anderes als ich. Mehr werden wir erst erfahren, wenn die Vertriebswege in Europa feststehen. Dies ist anscheinend noch nicht der Fall. Apple fehlt für das iPad auch noch eine Freigabe der amerikanischen Kommunikationsbehörde (FCC), vorher wird der Verkauf generell nicht starten.
  • Vertragsbindung: Es ist auch noch unklar, ob wir in Europa und speziell Deutschland wieder auf einen exklusiven Telekommunikations-Anbieter und entsprechende Verträge beschränkt werden. Das gilt natürlich hauptsächlich für die iPad-Variante mit UMTS (3G). Das würde für viele potentielle Kunden, die mit ihrem aktuellen Vertrag zufrieden sind (und ggf. gebunden) wieder eine zusätzliche Hürde bedeuten. Vielleicht geht man aber bei Apple davon aus, dass jeder iPad-Kunde auch ein iPhone besitzt und es gibt dann entsprechende Kombitarife bei T-Mobile. Das sind nur Spekulationen, welche Apple aber durch folgenden Hinweis auf der Webseite nicht gerade entkräftet.

Zitat (www.apple.de):

Die internationalen Anbieter werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Die 3G Tarife werden u. U. separat verkauft.

  • Kein Multitasking: Aktuell geht man davon aus, dass beim iPad kein Multitasking möglich ist. Sprich, es können nicht mehrere Programme (Apps) gleichzeitig laufen. Ob das wirklich in der Verkaufsversion noch so sein wird und ob es alle Applikationen oder nur die von Drittanbietern betrifft, ist unklar. Das ist aber auf jeden Fall ein Punkt, den viele vor dem Kauf geklärt haben wollen.
  • Kein Flash: Sicher, ich bin auch kein Freund von Flash. Neben der Tagwolke (welche auch ohne Flash angezeigt wird) verzichten wir selbst so weit es geht auf die Einbindung von Flash-Elementen. Aber es gibt durchaus Webseiten, die ohne Flash unvollständig oder gar unbedienbar sind. Bei einem Handy habe ich dafür noch Verständnis bzgl. der Performance. Wenn sich das iPad aber auch an potientielle Netbook-Käufer wenden will, wäre das ein klarer Nachteil. Für YouTube gibt es eine extra Applikation, welche aber nicht alle Funktionen der Webseite bietet.
  • Keine Kamera: In der Präsentation wurde schön gezeigt, dass man z.B. in den Kontaktdaten auch Bilder hinzufügen kann. Leider gibt es aber keine passende Kamera im iPad. So wird man Bilder wohl extern machen müssen und diese dann an das iPad übertragen.
  • Kein HDMI: Laut Apple gibt es zum iPad ein spezielles Apple A/V-Kabel (Komponentenvideo) für 480p oder 576i. Auch ein einfaches Composite-Kabel und einen VGA-Adpater mit Docking-Connector wird es wohl gegeben (gleiche Auflösungen). Apple wirbt damit, dass das iPad Videos mit h.264 bis 720p (30 fps) kann. Die wird man aber dann leider weder auf dem 1024×768 Display noch extern wirklich 1:1 ausgeben können.
  • Kein USB-Anschluss / kein Cardreader: Leider wird man auch hier stark eingeschränkt, was die Konnektivität angeht. Möchte man z.B. seine Fotos im Urlaub schön auf dem iPad in groß betrachten, wird das wohl nicht so einfach gehen ohne entsprechenden PC oder Zubehör. Auch beim Aufladen des Akkus ist man dann z.B. im Auto wieder auf original Apple-Zubehör angewiesen. Von den anderen Möglichkeiten, wie externen Speichermedien (z.B. Festplatten / USB-Sticks) zum Datenaustausch mal ganz abgesehen. Es soll wohl entsprechende USB-Dongles (Adapter) geben, die sich dann aber auch nur auf den Transfer von Fotos beschränken. Über einen simplen USB-Anschluss am iPad wäre das deutlich einfacher.
  • Akku-Laufzeit / fester Akku: Die ca. 10 Stunden Laufzeit hören sich erstmal gut an. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich der Akku schlägt, wenn wirklich Videos abgespielt werden oder Spiele genutzt werden. Hier werden Netbooks wahrscheinlich überlegen sein. Dies ist aber natürlich auch klar eine Frage der Optik und der kompakten Bauweise; da können Netbooks wieder nicht mithalten.
  • Kein 16:9 Format: Gerade für Videos und Filme wäre das ein wichtiges Feature. Die 1024 x 786 des iPads sind zwar grundsätzlich eine gute Auflösung für Anwendungen und das Surfen im Internet, aber eben nicht für Filme und Videos.
  • Keine Synchronisation / Datentransfer: Trotz WLAN und Bluetooth wird es nach aktuellen Angaben wohl auch auf diesem Weg nicht möglich sein, seine Daten zu synchronisieren oder zu übertragen. So wird es auch nur möglich, sein Programme aus dem App-Store zu übertragen.
  • Handschriftenerkennung: Diese wird auch von einigen vermisst. Sicher, die Display-Tastatur wird für effektives Arbeiten keine dauerhafte Lösung sein. Die Finger dürfen nicht auf dem Display liegen, sondern müssen immer mit leichtem Abstand darüber platziert werden. Das ermüdet natürlich Finger und Arme bei längerer Nutzung. Mir persönlich ist dann aber eine Dockingstation oder Bluetooth-Tastatur deutlich lieber als diese Hanschriftenerkennung. Alles was ich da bisher gesehen haben, auch bei anderen Geräten, konnte mich nicht wirklich überzeugen.
  • Kein idealer eBook-Reader: Hier streitet man sich auch noch, ob das iPad wirklich ideal geeignet ist. Die iBook-Anwendung ist sicherlich gut, aber viele erwarten, dass die Augen durch das Farb-Display deutlich schneller ermüden als z.B. beim Kindle. Das wird sich aber erst in der Praxis zeigen. Was derzeit fehlt, ist wohl eine dauerhafte Festlegung der Bildschirmausrichtung (Lagesensor). Es könnte durchaus nervig sein, wenn die Ausrichtung beim relaxten Surfen oder Lesen auf der Couch hin und her springt.

Viele dieser Punkte basieren noch auf Vermutungen oder können natürlich teilweise durch Softwareupdates behoben werden. Je nach Anwendungszweck sind viele der Kritikpunkte evtl. auch für einige unwichtig. Uns ist durchaus klar, dass es für viele Dinge auch gute Gründe seitens Apple gibt und dass nicht jeder der obigen Wünsche ideal zu dem Geschäftsmodell und der Planung passt. Wir betrachten das iPad aber ganz nüchtern als Verbraucher.

Wenn Apple mit dem Slogan „Unsere fortschrittlichste Technologie in einem magischen und revolutionären Gerät zu einem unglaublichen Preis“ (Zitat: apple.de) wirbt, muss man sich ein wenig Kritik gefallen lassen. Dass Werbung immer ein wenig übertreibt, ist klar. Aber solche Aussagen und die überschwängliche Präsentation von einfachen und jahrelang bekannten Funktionen als „revolutionär“, schreit geradezu nach ein wenig Kritik. Wir wollen keinem das Gerät ausreden, jeder muss wissen, was er damit vor hat und ob es die Wünsche und Aufgaben erfüllt. Ich war dem iPad gegenüber anfangs auch sehr positiv gestimmt, aber aktuell frage ich mich ernsthaft „Was soll ich damit machen?“.  Ich habe ein Smartphone (HTC Diamond) und ein Notebook und mir fehlen derzeit wirkliche Lücken, wie von Apple beschrieben, bei denen ich mir den Einsatz des iPads vorstellen könnte. Entweder stoße ich auf Einschränkungen oder muss mich fragen, ob mir die paar mal, wo ein iPad sinnvoll wäre, wirklich 600-800 € Wert sind (ohne UMTS macht es für mich noch weniger Sinn). Wenn jetzt noch kommt, dass ich an spezielle Verträge gebunden werde, ist das Thema iPad für mich erstmal durch. Vielleicht plant Apple auch schon die nächsten Generationen des Geräts und neue Features, evtl. ein weiterer Grund bei der ersten Generation vorsichtig zu sein.

Autor: Guido

Im Alter von 9 Jahren begann alles mit dem ZX-81 und TI-99/4A. 1981/82 ging es teilweise parallel weiter mit dem Commodore VC-20 und C64. Letzterer konnte mich für viele Jahre in seinen Bann ziehen. Danach ging der übliche Weg - mit kurzen Umwegen über Schneider CPC, Amiga - zum PC (286er mit 5 1/4 Zoll Festplatte). Auch die erste Konsole war 1978/79 die Philips G7000. Auch gesurft wurde schon vor dem heutigen Internet mit Akustikkoppler oder Modem. Seit dem interessiert mich alles was mit Computer, Internet, Software, Konsolen, Betriebssystemen, Smartphones, Tablets usw. zu tun hat.

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1 Kommentar

  1. Da der Artikel hier immer noch häufig gelesen wird, möchte ich mal ein paar Sachen aktualisieren. Immerhin enstand dieser Artikel vor dem Release. Mittlerweile nutze ich ein iPad.

    Vetragsbindung gibt es nicht
    Die Akkulaufzeit ist über jeden Zweifel erhaben – 10 Std. sind nicht übertrieben
    virtuelle Tastatur ist gut – Handschrifterkennung unnötig

    Ich bin postiv überrascht. Es gibt Schwächen und offene Wünsche. Aber das was das iPad kann, macht es richtig gut. Schaut in die Artikel „Erste Erfahrungen“. Diese sind deutlich aktueller.

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