1&1 SmartPad: Nachruf und Warnung

Unsere Erfahrungen mit dem 1&1 SmartPad

1&1 SmartPad neben Apple iPad

Es kam aus dem Nichts und wird jetzt wohl auch recht schnell wieder dort verschwinden. 1&1 hat rund 25.000 Geräte von dem SmartPad unter die Leute gebracht. Ende diesen Monats wird der Vertrieb dann endgültig eingestellt. Trauer darüber wird es höchstens bei Anwendern geben, die sich ein solches 1&1 SmartPad zugelegt haben. Bedeutet die Einstellung des SmartPads nun auch das Ende vom 1&1 Smartstore (App-Store) und entfällt damit auch das angekündigte Android-Update 2.2? Laut aktuellen Berichten soll beides nicht der Fall sein. 1&1 will auch in Zukunft weitere Geräte im Bereich Tablet-PCs anbieten. In Zukunft sollen es aber leistungsfähigere Geräte sein und diese werden dann durch die höheren Preise sicher auch keine DSL-Zugaben mehr werden.

Warum schreiben wir das? Naja, wir haben ja bereits vor dem Erscheinen des 1&1 SmartPads ein wenig darüber gelästert. Es ist aber nicht unsere Art über Geräte zu meckern, welche wir selbst noch nicht in der Hand hatten. Es gab leider auch so gut wie keine Testgeräte, um sich hier ein Bild zu machen. Nun hatten wir das Glück und ein Kollege (der nicht genannt werden möchte 😉 ) das Pech, ein solches Gerät mit einem neuen DSL-Vertrag geordert zu haben. Dadurch konnte ich mich etwas mehr als eine Woche mit dem SmartPad beschäftigen. Die Erfahrungen des Kollegen waren alles andere als erfreulich, sonst hätte er das Gerät sicher auch nicht solange aus der Hand gegeben.

Bild vom Desktop des 1&1 Smartpad - Android 1.6

1&1 SmartPad - Desktop

Ich habe länger überlegt, ob ein ausführlicher Test noch sinnvoll ist. Letztendlich macht es aber durch die Einstellung des Gerätes seitens 1&1 wenig Sinn. Ich muss auch ganz ehrlich zugeben, dass es mich absolute Überwindung gekostet hat, dass 1&1 SmartPad länger zu benutzen. Das ist bei bei jeder Art von technischem Schnickschnack eigentlich völlig außergewöhnlich für mich. Keine Angst, auch wenn die Fotos das 1&1 SmartPad neben dem Apple iPad zeigen, ist mir durchaus bewusst, dass man diese Geräte nicht vergleichen sollte. Diese spielen einfach in einer anderen Liga. Was aber definitiv oft falsch wiedergegen wird, ist, dass ein 1&1 SmartPad kostenlos zum DSL-Vertrag war/ist. Alternativ konnte man sich für 150 € Guthaben entscheiden, also hat es mindestens auch diesen Betrag gekostet. Kunden die 299 € für das Gerät ausgegeben und es separat gekauft haben, kann man wirklich nur bedauern. Denn dann sind es „nur“ noch 150-200 € zu einem kleinen WeTab oder iPad; die hätte man dann besser noch gespart und investiert.

Die Meinungen der Presse über das 1&1 SmartPad gehen ein wenig auseinander. Chip.de titelt „1&1 SmartPad-Das Anti-iPad“ und lässt wenig Gutes an dem Gerät, ähnlich wie auch die FAZ mit „Die lahme Ente aus dem Westerwald„. Die PC-Welt nennt das 1&1 SmartPad ein günstiges Surf-Tablet und findet 150 € auch in Ordnung, was uns etwas verwundert. Denn im Text des Testberichts gibt es auch fast nur Kritik.

Das 1&1 SmartPad ist keine Schönheit, nicht besonders schlank und fühlt sich auch nicht gut an. Das wäre alles halb so schlimm, wenn nicht auch die inneren Werte schwächeln würden. Dass der Bildschirm nicht die Brillianz und Schärfe eines iPads hat, war vorher schon zu erwarten. Leider ist es aber gerade bei kleinen Schriften nahezu unscharf und die Buchstaben erscheinen ausgefranst. Der Touchscreen ist resistiv und somit ist leider nichts zu machen mit einem „leichten Fingerstreich“, beim SmartPad hilft nur deutlicher Druck. An all das könnte man sich mit der Zeit vielleicht noch gewöhnen, aber definitiv nicht an die aktuelle Software und Geschwindigkeit. In unserem Test blieb das 1&1 SmartPad immer wieder hängen und gönnte sich diverse Denkpausen. Man selber war auf dem Touchscreen dann schon wieder mit dem nächsten Schritt zugange und dies führte immer wieder zu Fehlbedienungen. Anstatt auf einer Webseite zu scrollen, klickte man ungewollt irgendwelche Links an. Da ist jeder Spaß am Surfen im Internet dahin.

Der Appstore von 1&1

Apps im 1&1 SmartStore

Leider war es mit E-Mails auch nicht besser, hier kam es beim Abrufen auch immer wieder zu Hängern und manche Mails konnten gar nicht angezeigt werden. Vielleicht lag es teilweise auch am sehr bescheidenen WLAN-Empfang. Dort wo mein altes Notebook und das iPad einen Vollausschlag beim Empfang zeigten, waren beim 1&1 SmartPad gerade noch 1-2 Balken da. Auch die Menüs zeigten sich entsprechend träge und Animation waren keine mehr, weil es nur so vor sich hin ruckelte. Der App-Store von 1&1 nennt sich SmartStore und dieser war nun schon etwas besser gefüllt als zum Erscheinen des Gerätes. Da wollte ich dann gleich mal ein paar Spielchen ausprobieren. Was soll ich sagen, die Erfahrungen waren einfach unterirdisch. Die Spiele scheinen nicht annähernd fürs 1&1 Smartpad geeignet zu sein, es ruckelte fürchterlich. Selbst einfache Einblende-/Ausblende-Animationen von den Spielemenüs brachten das SmartPad wohl an seine Leistungsgrenze. Andere Spiele hatten richtige Darstellungsfehler, da diese anscheinend gar nicht für die Auflösung gedacht oder optimiert sind. Während der Zeit bei uns wurde das Gerät auch noch von anderen Personen in die Hand genommen. Alle haben es nach wenigen Minuten zur Seite gelegt.

1&1 Appstore names 1&1 Smartstore

Laden einer App aus dem 1&1 SmartStore

Ich denke, so wird es den meisten gehen, auch wenn es lt. dem Blog von 1&1 wohl erfolgreiche Tests mit Kunden gab. Warum schafft man sich generell einen Tablet-PC an? Wirklich produktiv sind die heutigen Geräte alle noch nicht. Abgesehen von E-Mails lesen und Surfen sind es wenn nur spezielle Anwendungen oder Zeitvertreib. Einer der Hauptgründe ist sicher der Spaß; es gibt Dinge, die mit einem iPad einfach mehr Spaß machen als mit einem normalen PC und sei es nur deshalb, weil es entspannt auf der Couch oder unterwegs erfolgen kann. Diesen Spaß wird man beim 1&1 SmartPad gänzlich vermissen, außer man hat eine Engelsgeduld und empfindet Warten und Ruckeln als angenehm.

Deshalb auch die Warnung. Wir können nur jedem von dem Kauf des 1&1 SmartPads ausdrücklich abraten. Bei eBay werden die Geräte gebraucht für rund 150 € gehandelt. Mit dem Geld kann man was deutlich sinnvolleres machen. Auch die jetzige Einstellung des 1&1 SmartPads sollte ein Warnsignal sein; wir sind noch nicht so optimistisch, dass es mit Updates und dem 1&1 SmartStore langfristig weitergeht. Auch mit besseren Geräten wird es 1&1 sehr schwer haben, sich auf dem Markt zu behaupten. Wir hätten selbst für 50 – 100 € kein Interesse oder Verwendung für ein 1&1 SmartPad.

Wir geben unser geliehenes SmartPad morgen wieder zurück und werden es sicher nicht vermissen.

Autor: Guido

Im Alter von 9 Jahren begann alles mit dem ZX-81 und TI-99/4A. 1981/82 ging es teilweise parallel weiter mit dem Commodore VC-20 und C64. Letzterer konnte mich für viele Jahre in seinen Bann ziehen. Danach ging der übliche Weg - mit kurzen Umwegen über Schneider CPC, Amiga - zum PC (286er mit 5 1/4 Zoll Festplatte). Auch die erste Konsole war 1978/79 die Philips G7000. Auch gesurft wurde schon vor dem heutigen Internet mit Akustikkoppler oder Modem. Seit dem interessiert mich alles was mit Computer, Internet, Software, Konsolen, Betriebssystemen, Smartphones, Tablets usw. zu tun hat.

Share This Post On

3 Kommentare

  1. Das Android 2.2 – Update (Froyo) für das 1&1 SmartPad ist nun wirklich verfügbar. Dadurch soll das SmartPad schneller werden und auch die Oberfläche hat sich wohl grundlegend geändert. Auch der E-Mail-Client wurde optimiert. Das Update wird automatisch angezeigt wenn eine Internetverbindung besteht.

  2. Stimmt. Den Gedanken hatte ich beim Schreiben auch schon. Deutlich schlechter als das 1&1 SmartPad kann es kaum sein 😉

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.